Ringelgans

Ringelgans

Die Ringelgans (Branta bernicla) ist eine kleine, gesellig lebende Art der Gattung Meergänse (Branta) der Familie der Entenvögel (Anatidae). Sie ist die kleinste und dunkelste der Meergänsearten, zu denen neben der Ringelgans die Nonnengans, die Rothalsgans und die Kanadagans zählen. Ihr Brutareal ist die arktische Kältewüste und arktische Tundra Eurasiens und Nordamerikas. In Deutschland ist sie Wintergast an der Nordseeküste. Zu den Besonderheiten der Ringelgans zählt ihre enge Bindung an das Meer und die Meeresküste während des Zuges und der Überwinterung.

Der deutsche Name der Gans bezieht sich ebenso wie bei der Ringeltaube auf den weißen Halsring. Gelegentlich wird die Gans auch als Rottgans bezeichnet, was von dem dumpf klingenden Flugruf abgeleitet ist.

UnterartenStimmeLebensweiseErnährung

Die Ringelgans wird in drei Unterarten aufgeteilt:

  • Die dunkelbäuchige Ringelgans (Branta bernicla bernicla) ist die sogenannte Nominatform, die von Carl von Linné erstmals wissenschaftlich beschrieben wurde. Sie ist düster schiefergrau und hat kleine weiße Bänder auf den Halsseiten.
  • Die schwarzbäuchige Ringelgans (Branta bernicla nigricans) wird gelegentlich auch als Pazifische Ringelgans bezeichnet. Ihr Körpergefieder hat klare Schwarztöne und einen breiten, fast geschlossenen weißen Halsring.
  • Die hellbäuchige Ringelgans (Branta bernicla hrota) hat ein aufgehelltes, bräunliches Körpergefieder mit schmalen weißen Halsbändern.

Die Ringelgans ist keine sehr ruffreudige Gans. Ihre Stimme ist meistens dann zu hören, wenn sie sich in Trupps aufhält oder wenn sie den Ort wechselt. Bei Beunruhigung ist ein tiefes, dumpfes und nasales „rott, rott, rott“ oder „rott rorott“ zu hören. Dieser Ruf kann auch kehlig ausfallen: „rronk“. Während des Fluges gibt sie ein kurzes und hartes „ack“ oder „ek“ von sich. In weidenden Trupps halten sie durch ständige, leise „bi bi bi“ -Rufe miteinander Kontakt. Aggressive Ringelgänse geben Zischlaute von sich.

Die Ringelgans ist ein Zugvogel, der im Winter nach Süden zieht. Wenn sie auf ihrem Zug sind, bilden Ringelgänse nicht die charakteristische V-Formation, sie fliegen rasch, aber nicht in Formation. Die Wanderungsrouten der Ringelgänse sind nicht genetisch fixiert, sondern werden in den verschiedenen Teilpopulationen tradiert. Neben dem Zug in die Überwinterungsquartiere gibt es einen so genannten Mauserzug der nicht brütenden Tiere zu bestimmten Mauserplätzen, vor allem auf die Taimyr-Halbinsel. Abgesehen von Paarungs- und Brutzeit leben Ringelgänse in großen Schwärmen. Für gewöhnlich zeigen Ringelgänse eine große Partnertreue, wobei sie sich jedoch bei Verlust des Partners neu verpaaren.

Die Brut beginnt sofort nach der Ankunft in den Brutgebieten im Juni. Ringelgänse brüten in Kolonien in der küstennahen arktischen Tundra. Die hellbäuchige Rasse verrichtet ihr Brutgeschäft häufig auf kleineren Inseln vor der Küste. Ringelgänse brüten in kleinen Kolonien und errichten ihre Nester auf trockenen, höher gelegenen Abschnitten der Tundra. Nicht selten befinden sich die Kolonien in unmittelbarer Nachbarschaft von Greifvögeln und Großmöwen. Allerdings ist diese Bindung nicht so ausgeprägt wie bei der Kaisergans. Gewöhnlich werden drei bis fünf Eier gelegt. Nach 24 bis 26 Tagen schlüpfen die Jungen, deren Aufzucht nur etwa 40 Tage dauert. Sobald die frisch geschlüpften Küken abgetrocknet sind, wechseln die Familien auf Seen, Flüsse und Flussmündungsgebiete im Brutareal über. Die Paarbindung lockert sich in dieser Zeit. Die Ganter sondern sich von den Familien ab und bilden selbständige Mausertrupps. Die Vollmauser setzt mit dem Schlüpfen der Küken ein.

Ringelgänse leben von kurzer Gras-, Kräuter-, Moos- und Flechtenvegetation sowie von Meerespflanzen. Die Gänse sind bei der Nahrungssuche überwiegend an Flachküsten des Wattenmeeres gebunden. Ihre Nahrungssuche findet auf Seegras-, Grünalgen und Andelgrasflächen statt. Im Winter nutzen sie regional auch die Gras- und Wintersaatflächen des Binnenlands. Im schleswig-holsteinischen Wattenmeer fürchteten die Landwirte im Vorland der Küste und auf den Halligen den Durchzug der Ringelgans, obwohl sie heute für die verursachten Schäden entschädigt werden. So fielen die Gänse in begrenzte Landstriche ein, wo sie die Vegetation in kürzester Zeit auf die Länge eines Englischen Rasens herunterfraßen, wobei sie das Andelgras der Salzwiesen bevorzugten.

Quelle Wikipedia